Manche Entscheidungen fühlen sich klar an.

Andere nicht.

Gerade in Projekten, Produktentwicklung, Change-Prozessen oder komplexen Vorhaben gibt es oft keine vollständige Sicherheit. Informationen fehlen. Anforderungen verändern sich. Risiken sind noch nicht sichtbar. Und trotzdem müssen Teams entscheiden:

  • Wie groß ist der Aufwand?
  • Was ist realistisch?
  • Wo liegen Risiken?
  • Was schaffen wir im nächsten Schritt?
  • Welche Aufgabe ist größer als gedacht?
  • Wo sind wir uns einig – und wo nicht?

Genau hier helfen strukturierte Schätzmethoden wie das Estimate Game oder Planning Poker.

Nicht, weil sie perfekte Zahlen liefern, sondern weil sie Unsicherheit sichtbar machen.

Warum Schätzen nicht einfach Raten ist

Viele Menschen verbinden Schätzungen mit ungenauen Zahlen.

  • „Das dauert wahrscheinlich drei Tage.“
  • „Das ist eher klein.“
  • „Das müsste schnell gehen.“
  • „Das wird schon passen.“

Das Problem: Solche Aussagen klingen oft sicherer, als sie sind.

In komplexen Situationen ist eine Schätzung keine Wahrheit. Sie ist eine gemeinsame Annäherung. Sie hilft, über Aufwand, Risiko, Komplexität und Unklarheit zu sprechen.

Gute Schätzungen beantworten nicht nur die Frage:

Wie lange dauert das?

Sondern auch:

  • Was wissen wir schon?
  • Was wissen wir noch nicht?
  • Welche Annahmen treffen wir?
  • Welche Abhängigkeiten gibt es?
  • Welche Risiken übersehen wir?
  • Wo schätzen wir sehr unterschiedlich?
  • Was müssen wir klären, bevor wir starten?

Schätzen ist also weniger Zahlenspiel und mehr Lernprozess.

Warum Teams unter Unsicherheit anders entscheiden sollten

Unter Unsicherheit entstehen schnell typische Muster.

  • Einige Personen äußern früh eine Zahl. Andere orientieren sich daran.
  • Erfahrene oder laute Stimmen prägen die Diskussion.
  • Risiken werden zu spät benannt.
  • Unterschiedliche Annahmen bleiben unsichtbar.
  • Aufwand wird unterschätzt, weil nur die Umsetzung gesehen wird.
  • Klärung, Abstimmung, Qualitätssicherung oder Abhängigkeiten fehlen in der Betrachtung.

Das führt zu Entscheidungen, die stabil wirken, aber auf wackligen Annahmen stehen.

Methoden wie Planning Poker oder das Team Estimation Game reduzieren genau diese Effekte. Planning Poker arbeitet mit verdeckten Schätzungen, die gleichzeitig aufgedeckt werden. Dadurch wird der sogenannte Ankereffekt reduziert: Die erste genannte Zahl beeinflusst nicht sofort alle anderen. :contentReference[oaicite:0]

Das Team Estimation Game arbeitet stärker vergleichend. Aufgaben werden relativ zueinander eingeschätzt: Ist diese Aufgabe größer, kleiner oder ähnlich groß wie eine andere? Dadurch entsteht Schritt für Schritt ein gemeinsames Bild von Aufwand und Komplexität. :contentReference[oaicite:1]

Estimate Game: gemeinsam vergleichen statt einzeln raten

Mit „Estimate Game“ ist häufig das Team Estimation Game gemeint. Es ist eine agile Schätzmethode, bei der ein Team Aufgaben oder Backlog Items nicht isoliert bewertet, sondern relativ zueinander einordnet.

Der Grundgedanke ist einfach:

Menschen können oft besser vergleichen als absolut vorhersagen.

Es ist schwer zu sagen:

„Diese Aufgabe dauert exakt fünf Tage.“

Leichter ist:

„Diese Aufgabe ist größer als Aufgabe A, aber kleiner als Aufgabe B.“

Genau das nutzt das Estimate Game.

Wie das Estimate Game funktioniert

Der Ablauf kann je nach Team variieren. Grundsätzlich geht es aber um diese Schritte:

1. Aufgaben vorbereiten

Zuerst werden die zu schätzenden Aufgaben oder User Stories gesammelt.

Wichtig ist: Die Aufgaben müssen nicht perfekt beschrieben sein. Aber sie sollten verständlich genug sein, damit das Team darüber sprechen kann.

Hilfreiche Fragen vorher:

  • Was ist das Ziel der Aufgabe?
  • Was gehört dazu?
  • Was gehört nicht dazu?
  • Welche offenen Fragen gibt es?
  • Welche Abhängigkeiten sind bekannt?

2. Erste Aufgabe als Referenz wählen

Eine Aufgabe wird als Startpunkt genutzt.

Sie ist noch nicht „richtig“ oder „falsch“ geschätzt. Sie dient nur als Vergleichspunkt.

3. Weitere Aufgaben relativ einordnen

Das Team nimmt eine weitere Aufgabe und fragt:

  • Ist sie kleiner?
  • Ist sie größer?
  • Ist sie ungefähr gleich groß?
  • Warum sehen wir das so?

So entsteht nach und nach eine Reihenfolge oder Gruppierung.

4. Unterschiede besprechen

Spannend wird es dort, wo Einschätzungen auseinandergehen.

Wenn eine Person sagt „klein“ und eine andere „groß“, ist das kein Problem.

Es ist der wichtigste Teil der Methode.

Denn unterschiedliche Schätzungen zeigen oft unterschiedliche Annahmen.

Zum Beispiel:

  • Eine Person denkt nur an die Umsetzung.
  • Eine andere sieht technische Risiken.
  • Eine dritte denkt an Abstimmung mit Stakeholdern.
  • Eine vierte kennt eine Abhängigkeit, die andere nicht kennen.

5. Größen zuweisen

Wenn die Aufgaben sortiert sind, können relative Größen ergänzt werden.

Zum Beispiel:

  • XS, S, M, L, XL
  • 1, 2, 3, 5, 8, 13
  • kleine, mittlere, große Aufgaben
  • Aufwandspakete oder Komplexitätsstufen

Wichtig: Die Skala ist weniger wichtig als das gemeinsame Verständnis dahinter.

Wann das Estimate Game besonders hilfreich ist

Das Estimate Game eignet sich besonders, wenn:

  • viele Aufgaben grob eingeschätzt werden müssen
  • das Team schnell ein gemeinsames Bild braucht
  • noch nicht alle Details bekannt sind
  • relative Unterschiede wichtiger sind als exakte Zahlen
  • das Team noch wenig Erfahrung mit Schätzungen hat
  • Diskussionen nicht zu lange in Details gehen sollen
  • ein Backlog grob sortiert werden soll

Es ist oft schneller als Planning Poker, weil nicht jede Aufgabe mehrfach einzeln diskutiert werden muss. Team Estimation wird in agilen Kontexten deshalb häufig als schnelle, vergleichende Alternative beschrieben. :contentReference[oaicite:2]

Praktische Tipps für das Estimate Game

1. Nicht zu früh in Details gehen

Das Ziel ist nicht, jede Aufgabe vollständig zu analysieren.

Das Ziel ist eine brauchbare Orientierung.

Wenn eine Diskussion zu tief wird, hilft die Frage:

  • Was müssen wir wirklich wissen, um die relative Größe einzuschätzen?
  • Welche Details können wir später klären?
  • Ist diese Aufgabe vielleicht zu unklar und braucht erst Refinement?

2. Unklarheit sichtbar markieren

Nicht jede Aufgabe muss sofort geschätzt werden.

Wenn eine Aufgabe zu unklar ist, markiert sie bewusst.

Zum Beispiel als:

  • unklar
  • braucht Klärung
  • Risiko hoch
  • abhängig von Entscheidung
  • zu groß und muss geteilt werden

Das ist kein Scheitern der Methode. Das ist ein Ergebnis.

3. Vergleichsaufgaben behalten

Es hilft, ein paar Referenzaufgaben im Team zu behalten.

Zum Beispiel:

  • Eine typische kleine Aufgabe
  • Eine typische mittlere Aufgabe
  • Eine typische große Aufgabe

So wird die Skala greifbarer.

4. Auf stille Stimmen achten

Wenn nur zwei Personen schätzen, ist es keine Team-Schätzung.

Achte darauf, dass auch ruhigere Personen eingebunden werden.

Hilfreiche Fragen:

  • Wer sieht das anders?
  • Welche Perspektive fehlt gerade?
  • Gibt es Risiken, die wir noch nicht angesprochen haben?
  • Was würde diese Aufgabe größer machen?

Planning Poker: Schätzen ohne Ankereffekt

Planning Poker ist eine konsensbasierte Schätzmethode, die besonders in agilen Teams verbreitet ist. Teammitglieder schätzen eine Aufgabe verdeckt, häufig mit Kartenwerten wie 1, 2, 3, 5, 8, 13 oder mit T-Shirt-Größen. Danach werden die Karten gleichzeitig aufgedeckt und Unterschiede besprochen. :contentReference[oaicite:3]

Der Vorteil: Niemand setzt mit der ersten Zahl sofort einen Anker.

Alle müssen zuerst selbst nachdenken.

Das macht unterschiedliche Einschätzungen sichtbar und schützt das Team davor, vorschnell einer dominanten Meinung zu folgen.

Wie Planning Poker funktioniert

1. Aufgabe vorstellen

Eine Aufgabe, User Story oder ein Arbeitspaket wird kurz vorgestellt.

Wichtig ist: Alle sollten grob verstehen, worum es geht.

Nicht alles muss bis ins letzte Detail geklärt sein. Aber Ziel, Umfang und offene Fragen sollten ausreichend klar sein.

2. Verständnisfragen klären

Das Team stellt Fragen.

Zum Beispiel:

  • Was ist das gewünschte Ergebnis?
  • Welche Akzeptanzkriterien gibt es?
  • Gibt es technische oder fachliche Risiken?
  • Wer ist beteiligt?
  • Welche Abhängigkeiten gibt es?
  • Was ist nicht Teil der Aufgabe?

3. Jede Person schätzt verdeckt

Alle wählen gleichzeitig eine Karte oder Zahl.

Wichtig: Vorher wird nicht laut über Zahlen gesprochen.

Sonst entsteht wieder ein Anker.

4. Karten gleichzeitig aufdecken

Alle Schätzungen werden sichtbar.

Jetzt erkennt das Team sofort:

  • Liegen wir nah beieinander?
  • Gibt es starke Abweichungen?
  • Hat jemand ein Risiko gesehen, das andere übersehen haben?
  • Ist die Aufgabe vielleicht unklarer als gedacht?

5. Höchste und niedrigste Schätzung erklären

Besonders hilfreich ist es, die Personen mit der höchsten und niedrigsten Schätzung zuerst zu Wort kommen zu lassen.

Nicht als Rechtfertigung.

Sondern als Lernmoment.

Fragen können sein:

  • Was hast du berücksichtigt?
  • Welche Annahme steckt dahinter?
  • Welches Risiko siehst du?
  • Was macht es aus deiner Sicht kleiner?
  • Was macht es größer?

6. Noch einmal schätzen

Nach der Diskussion wird erneut geschätzt.

Meist nähern sich die Einschätzungen an.

Wenn nicht, ist das ein Hinweis: Es gibt noch echte Unsicherheit.

Dann sollte nicht künstlich Konsens erzwungen werden.

Wann Planning Poker besonders hilfreich ist

Planning Poker eignet sich besonders, wenn:

  • einzelne Aufgaben genauer eingeschätzt werden sollen
  • unterschiedliche Perspektiven wichtig sind
  • das Team ein gemeinsames Verständnis entwickeln muss
  • technische oder fachliche Risiken diskutiert werden sollen
  • starke Meinungen im Raum sind
  • Ankereffekte vermieden werden sollen
  • Entscheidungen nicht nur von Hierarchie oder Lautstärke geprägt sein sollen

Planning Poker ist also nicht nur eine Schätzmethode.

Es ist auch eine Gesprächsstruktur.

Estimate Game vs. Planning Poker: Was passt wann?

Beide Methoden helfen bei Entscheidungen unter Unsicherheit. Aber sie setzen unterschiedliche Schwerpunkte.

Estimate Game eignet sich eher, wenn …

  • viele Aufgaben grob eingeordnet werden sollen
  • Geschwindigkeit wichtig ist
  • relative Größen reichen
  • das Team erst einmal Überblick braucht
  • ein Backlog sortiert oder vorbereitet werden soll
  • Details noch nicht vollständig klar sind

Planning Poker eignet sich eher, wenn …

  • einzelne Aufgaben genauer diskutiert werden sollen
  • Konsens wichtig ist
  • Annahmen und Risiken sichtbar werden sollen
  • unterschiedliche Einschätzungen im Team bestehen
  • das Team vor einer Sprintplanung oder konkreten Umsetzung steht
  • Entscheidungen verbindlicher werden müssen

Kurz gesagt:

Estimate Game hilft beim Sortieren.
Planning Poker hilft beim Vertiefen.

Was beide Methoden leisten können

Beide Methoden helfen Teams dabei, besser mit Unsicherheit umzugehen.

Sie machen sichtbar:

  • unterschiedliche Annahmen
  • blinde Flecken
  • Risiken
  • Abhängigkeiten
  • Unklarheiten
  • Komplexität
  • unterschiedliche Erfahrungsstände
  • Gesprächsbedarf

Das ist oft wertvoller als die Zahl selbst.

Denn eine Schätzung ist nur so gut wie das Gespräch, das sie ausgelöst hat.

Was beide Methoden nicht leisten können

Wichtig ist auch die Grenze.

Weder Estimate Game noch Planning Poker machen die Zukunft planbar.

Sie ersetzen nicht:

  • klare Prioritäten
  • gutes Refinement
  • fachliche Klärung
  • technische Analyse
  • Stakeholder-Abstimmung
  • saubere Entscheidungen
  • regelmäßige Überprüfung
  • Lernen aus echten Daten

Schätzmethoden sind kein Orakel.

Sie sind Werkzeuge, um gemeinsam besser zu denken.

Typische Fehler beim Schätzen

1. Schätzungen wie Zusagen behandeln

Eine Schätzung ist keine Garantie.

Wenn eine geschätzte Aufgabe später größer wird, heißt das nicht automatisch, dass jemand falsch gearbeitet hat.

Vielleicht war die Unsicherheit höher als sichtbar. Vielleicht haben sich Anforderungen verändert. Vielleicht wurde etwas gelernt.

Besser ist:

  • Schätzung als Annahme behandeln
  • Annahmen dokumentieren
  • bei neuen Informationen neu bewerten
  • nicht nach Schuld suchen, sondern nach Lernen

2. Zu früh über Zahlen sprechen

Wenn direkt jemand sagt „Das sind maximal drei Punkte“, beeinflusst das die Gruppe.

Auch unbewusst.

Deshalb bei Planning Poker:

  • Erst klären.
  • Dann verdeckt schätzen.
  • Dann diskutieren.

3. Lautstärke mit Wahrheit verwechseln

Eine selbstbewusste Einschätzung ist nicht automatisch die beste.

Achte besonders auf leise Hinweise wie:

  • „Ich bin mir nicht sicher, aber …“
  • „Könnte es sein, dass …“
  • „Haben wir berücksichtigt, dass …“
  • „Ich sehe da noch eine Abhängigkeit …“

Oft liegen genau dort wichtige Risiken.

4. Zu große Aufgaben schätzen

Wenn eine Aufgabe riesig ist, wird die Schätzung ungenau.

Dann hilft nicht mehr Diskussion, sondern Aufteilen.

Frage:

  • Können wir die Aufgabe kleiner schneiden?
  • Was ist der erste lieferbare Teil?
  • Was ist nur Klärung?
  • Was ist Umsetzung?
  • Was ist Risikoanalyse?

5. Schätzungen nicht überprüfen

Teams lernen nur, wenn sie später anschauen, was passiert ist.

Nach Abschluss einer Aufgabe kann man kurz reflektieren:

  • War unsere Schätzung hilfreich?
  • Was haben wir übersehen?
  • Was war kleiner als gedacht?
  • Was war größer?
  • Welche Referenz hilft uns beim nächsten Mal?

So entsteht Schätzkompetenz.

Erste Schritte zur Selbstumsetzung

Du brauchst kein perfektes Setup, um anzufangen.

Wichtig ist nur, dass ihr die Methode bewusst nutzt und nicht einfach Zahlen produziert.

1. Wähle den passenden Anlass

Frag dich:

  • Müssen wir viele Aufgaben grob sortieren?
  • Oder müssen wir wenige Aufgaben genauer verstehen?

Für viele Aufgaben: Estimate Game.
Für wenige, konkretere Aufgaben: Planning Poker.

2. Bereite die Aufgaben gut genug vor

Nicht perfekt. Aber verständlich.

Für jede Aufgabe sollte klar sein:

  • Was ist das Ziel?
  • Was ist der erwartete Nutzen?
  • Was gehört dazu?
  • Was ist offen?
  • Welche Abhängigkeiten sind bekannt?

Wenn das nicht beantwortet werden kann, ist die Aufgabe vielleicht noch nicht bereit für eine Schätzung.

3. Vereinbart eine Skala

Nutzt eine einfache Skala.

Zum Beispiel:

  • XS, S, M, L, XL
  • 1, 2, 3, 5, 8, 13
  • klein, mittel, groß
  • niedrig, mittel, hoch

Wichtig ist nicht die Skala selbst. Wichtig ist, dass ihr sie gemeinsam versteht.

4. Sprecht über Annahmen

Nach jeder auffälligen Schätzung fragt:

  • Welche Annahme steckt dahinter?
  • Was müsste wahr sein, damit diese Schätzung passt?
  • Was könnte sie größer machen?
  • Was könnte sie kleiner machen?
  • Was wissen wir noch nicht?

So wird Unsicherheit sichtbar.

5. Dokumentiert nicht nur die Zahl

Haltet kurz fest:

  • Schätzung
  • wichtigste Annahmen
  • offene Fragen
  • Risiken
  • nächste Klärung

Das reicht oft schon.

Eine Zahl ohne Kontext verliert schnell ihren Wert.

6. Nutzt Timeboxing

Schätzrunden können ausufern.

Setzt klare Zeitfenster.

Zum Beispiel:

  • 2 Minuten Vorstellung
  • 3 Minuten Fragen
  • 1 Minute Schätzung
  • 5 Minuten Diskussion bei Abweichungen
  • 1 erneute Schätzung

Wenn danach noch keine Klarheit da ist, ist die Aufgabe vermutlich zu unklar oder zu groß.

Dann ist das Ergebnis:

Nicht schätzbar – erst klären.

7. Macht Schätzen zu einem Lernprozess

Fragt nach einigen Wochen:

  • Wo lagen wir gut?
  • Wo lagen wir daneben?
  • Welche Aufgaben waren schwer schätzbar?
  • Welche Signale haben wir übersehen?
  • Welche Referenzaufgaben helfen uns künftig?

So wird das Team nicht nur schneller.

Es wird besser im Umgang mit Unsicherheit.

Kleine Übung: Unsicherheit sichtbar machen

Vor der nächsten Schätzung könnt ihr eine einfache Frage einbauen:

„Wie sicher sind wir uns bei dieser Schätzung?“

Zum Beispiel mit drei Stufen:

  • hoch sicher
  • mittel sicher
  • niedrig sicher

Das ist hilfreich, weil zwei Aufgaben denselben Aufwand haben können, aber völlig unterschiedliche Unsicherheit.

Beispiel:

  • Aufgabe A: 5 Punkte, hohe Sicherheit
  • Aufgabe B: 5 Punkte, niedrige Sicherheit

Beide sehen gleich groß aus. Aber Aufgabe B braucht vielleicht zuerst Klärung, ein Experiment oder einen Spike.

Fazit

Entscheiden unter Unsicherheit bedeutet nicht, so zu tun, als wäre alles klar.

Es bedeutet, Unsicherheit gemeinsam sichtbar und bearbeitbar zu machen.

Estimate Game und Planning Poker helfen genau dabei.

Das Estimate Game unterstützt Teams, Aufgaben schnell und relativ zueinander einzuordnen.

Planning Poker hilft, einzelne Aufgaben gemeinsam zu verstehen, unterschiedliche Annahmen sichtbar zu machen und Ankereffekte zu reduzieren.

Beide Methoden sind dann wirksam, wenn sie nicht als Zahlenspiel verstanden werden.

Sondern als Gespräch über:

  • Aufwand
  • Komplexität
  • Risiken
  • Annahmen
  • Abhängigkeiten
  • Lernbedarf

Am Ende ist die wichtigste Frage nicht:

„Welche Zahl geben wir dieser Aufgabe?“

Sondern:

„Was haben wir durch die Schätzung besser verstanden?“